Die FDP vor Ort
Besuchsbericht
Holzofenbäckerei Ripken, Apen
29. April 2026 | FDP Kreisverband Ammerland
1. Allgemeine Informationen
Unternehmen Holzofenbäckerei Ripken
Standort Apen (Landkreis Ammerland)
Inhaber Jörg Ripken
Besuchsdatum 29. April 2026
Veranstalter FDP Kreisverband Ammerland (Kreis forscht)
Mitarbeiter gesamt ca. 220 (entspricht 120 Vollzeitäquivalenten)
Anzahl Filialen 4 eigene Geschäfte
Wochenmärkte 35 Wochenmärkte (über Franchisepartner)
Jahresumsatz ca. 11.000.000 Euro
2. Unternehmensgeschichte und Entwicklung
Die Holzofenbäckerei Ripken blickt auf eine lange Tradition zurück. Das Unternehmen wurde 1906 gegründet und feierte im Jahr 2006 sein 100-jähriges Firmenjubiläum, das gleichzeitig den Einstieg in das Wochenmarktgeschäft markierte. 2010 wurde am Standort Apen ein moderner Neubau errichtet, der seitdem kontinuierlich erweitert wird.
Wesentliche Meilensteine der Unternehmensgeschichte:
1906: Unternehmensgründung
2006: 100-jähriges Firmenjubiläum und Start des Wochenmarktgeschäfts
2010: Neubau des Produktionsstandorts in Apen
2011/2012: Expansion auf aktuell 6 Filialen
Seit 2010: Permanente Erweiterung (u. a. Holzbacköfen, Lager, Feinbäckerei)
2025: Neubau von Verwaltung, Sozialräumen und Konditorei
3. Unternehmensstruktur und Vertrieb
3.1 Eigenbetrieb und Franchisesystem
Die Produktion erfolgt ausschließlich am Hauptstandort in Apen. Das Unternehmen betreibt aktuell 4 eigene Filialen sowie 35 Wochenmärkte, die über 3 Franchisepartner bespielt werden. Bei den Franchisepartnern handelt es sich ausnahmslos um ehemalige Mitarbeiter des Betriebs, was eine hohe Qualitätskontinuität sicherstellt.
3.2 Logistik
Die Belieferung der Märkte erfolgt mit eigenen Fahrzeugen, die am Standort Apen beladen werden. Die Ware wird zusammen mit den mobilen Holzbacköfen zu den Verkaufsstandorten transportiert. Für weiter entfernte Standorte wie Bremen und Bremerhaven besteht eine Kooperation mit einem lokalen Taxiunternehmen.
3.3 Einkauf und regionale Lieferanten
Jörg Ripken legt großen Wert auf regionale Partnerschaften und Qualität. Das Unternehmen bezieht seine Rohstoffe über folgende Partner:
BÄKO Bäckerei-Einkaufsgenossenschaft (Hauptanteil der Rohwaren)
Auricher Eiererzeugergemeinschaft
Hof Meinen in Grabstede (Milch)
Rohvyak Kaffeerösterei, Bremen
Fleischerei Tütjen (Wurst)
Ammerländer Molkerei (Käse und Milch)
Ein selbst auferlegtes Reinheitsgebot ist fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie: Es werden ausschließlich selbst hergestellte Produkte angeboten – zugekaufte Fertigwaren sind tabu.
4. Produktion und Betriebsabläufe
4.1 Schichtsystem
Der Betrieb läuft in zwei Schichten: In der Nachtschicht werden die Backwaren gebacken; tagsüber erfolgt die Teigherstellung. Eine Besonderheit ist, dass Jörg Ribken die Holzöfen persönlich jeden Tag anfeuert.
Holzart Mischholz und Nadelholz
Anfeuerungsdauer ca. 3 Stunden täglich
Holzverbrauch ca. 80 kg pro Anfeuerung
4.2 Produktportfolio und Innovation
Das Produktportfolio ist weitgehend stabil, wird jedoch durch saisonale Angebote ergänzt. Neue Produkte entstehen durch eigenes Ausprobieren und den Austausch mit langjähriger Erfahrung. Produkte, die beim Kunden nicht ankommen, werden konsequent aus dem Sortiment genommen. Als Beispiel für erfolgreich entwickelte Produkte nannte Jörg Ripken die Kardinalschnitte.
Handgeschriebene Rezepte gibt der Inhaber selektiv weiter – bevorzugt an Interessierte außerhalb des direkten Wettbewerbsraums.
4.3 Rücklaufmanagement und Nachhaltigkeit
Der Warenrücklauf beträgt ca. 10 Prozent. Dieses Produkt wird vollständig in den Kreislauf zurückgeführt:
Abgabe an Tafeln
Verkauf zu reduzierten Preisen im sogenannten Nachhaltigkeitscontainer (halber Preis)
Weitergabe an Futtermittelhersteller (nicht verzehrfähige Reste)
Es wird nichts weggeworfen – der Nachhaltigkeitsgedanke ist fest im Unternehmen verankert.
5. Personal und Nachwuchs
Mitarbeiter gesamt ca. 220 (120 Vollzeitäquivalente)
Personalkosten 48–50 % der Gesamtkosten
Auszubildende (Backstube) ca. 3 pro Jahrgang
Auszubildende (Verkauf) 8–10 gesamt
5.1 Mitarbeiterbindung
Die Pflege langjähriger Mitarbeiterbeziehungen ist für Jörg Ripken ein zentrales Unternehmensziel. Er sieht darin auch einen entscheidenden Qualitätsfaktor gegenüber den Kunden. Eine angemessene Vergütung ist dabei Grundvoraussetzung.
5.2 Nachwuchsgewinnung
Die Gewinnung von Auszubildenden und neuen Mitarbeitern erfolgt ausschließlich über digitale und soziale Kanäle – Printmedien spielen keine Rolle mehr. Recruitingwege sind unter anderem:
Social-Media-Kanäle
Schulmessen
Praktika und Schülerjobs
Die vereinfachte digitale Bewerbung führt nach Einschätzung des Inhabers zu einer sinkenden Qualität der Bewerbungen sowie zu einer höheren Wechselbereitschaft unter Bewerberinnen und Bewerbern.
6. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
6.1 Energiekosten
Die Energiekosten stellen zwar eine erhebliche Belastung dar, sind jedoch nach Einschätzung von Jörg Ribken kein entscheidender Wettbewerbsnachteil – da alle Bäckereien in Deutschland gleichermaßen betroffen sind und kein internationaler Wettbewerb besteht.
6.2 Personalkosten und Rohstoffe
Das eigentliche betriebswirtschaftliche Hauptproblem sind die Personalkosten, die 48–50 % der Gesamtkosten ausmachen. Deutschland verliert infolgedessen zunehmend Bäckereiunternehmen. Die Rohstoffpreise (insbesondere Butter, Mehl, Saaten) unterliegen starken Schwankungen – bedingt durch internationale Krisen und Kriege.
6.3 Kostenstabilisierung durch Automatisierung und Digitalisierung
Zur Stabilisierung der Kosten setzt Ripken auf Automatisierung und algorithmische Bestelloptimierung. Wetterdaten spielen eine wichtige Rolle bei der Produktionssteuerung, da das Verkaufsvolumen stark wetterabhängig ist. Besondere Ereignisse wie das Ender Matjesfest fließen ebenfalls in die Planungsmodelle ein. Verkaufsdaten werden systematisch ausgewertet, um die Produktion bedarfsgerecht zu steuern.
7. Unternehmensnachfolge
Die Nachfolge ist geregelt: Zwei Söhne des Inhabers sollen das Unternehmen übernehmen – einer mit betriebswirtschaftlichem Hochschulhintergrund, der andere als ausgebildeter Bäcker. Die Übergabe ist für das Ende des laufenden Jahrzehnts geplant.
8. Bürokratie und Dokumentationspflichten
Ein weiteres Hemmnis für den Betrieb sind die wachsenden Dokumentations- und Bürokratiepflichten. Jörg Ripken nannte konkrete Beispiele:
Veterinäramt: Kontrolle von Mausköder-Dosen – mit mehrfachen Folgekontrollen
Landesamt: Pflicht zur kilogrammgenauen Erfassung von Warenmengen für statistische Zwecke ohne erkennbaren betrieblichen Nutzen
Umfangreiche Aufbewahrungspflichten für Dokumente
Ripken sieht die Prozessoptimierung als deutlich wichtiger an als den Aufwand für die Dokumentation. Er fordert eine Entlastung der Unternehmen von praxisfremden Bürokratiepflichten.
9. Forderungen an die Politik
Jörg Ripken richtete folgende konkrete Forderungen an die politischen Vertreter:
Schnellere Bearbeitung von Baugenehmigungen
Reduzierung der Brandschutzvorschriften auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß
Abbau bürokratischer Dokumentationspflichten zugunsten betrieblicher Prozesseffizienz
10. Fazit
Der Besuch bei der Holzofenbäckerei Ripken in Apen vermittelte einen eindrucksvollen Einblick in ein traditionsreiches, gleichzeitig innovativ geführtes mittelständisches Unternehmen. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds – geprägt durch steigende Personal- und Energiekosten, volatile Rohstoffpreise sowie wachsende Bürokratieanforderungen – ist Ripken durch konsequente Qualitätsorientierung, regionale Verwurzelung und eine vorausschauende Unternehmensführung gut aufgestellt.
Das Franchisesystem, die Digitalisierung der Bestellprozesse, das nachhaltige Rücklaufmanagement sowie die geregelte Unternehmensnachfolge zeugen von unternehmerischer Weitsicht. Die klar formulierten Forderungen des Inhabers an die Politik – insbesondere in den Bereichen Baugenehmigungen, Brandschutz und Bürokratieabbau – sind ernst zu nehmen und sollten in die weitere politische Arbeit des FDP-Kreisverbands Ammerland einfließen.
Bericht erstellt durch: FDP Kreisverband Ammerland | Datum: 29. April 2026